Winterreifen

Aus Fahrradmonteur
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Detail Nokia Winterreifen Baujahr 2006

Bis vor wenigen Jahren waren Winterreifen für Fahrräder noch recht exotisch und kaum erhältlich. Da wundert es wenig, daß noch 2007 Nokia als Weltmarktführer galt. In Mitteleuropa hat man das Fahrrad entweder über Winter eingemottet oder ist mit den normalen Reifen umhergeschlittert. Hier werden die Winterreifen mit Spikes behandelt, es gibt auch wenige Modelle ohne Spikes.

Die großen Hersteller haben den Markt entdeckt und bieten mittlerweile für viele Größen auch Winterreifen an. Die Auswahl ist bei weitem nicht so üppig wie bei Sommerreifen aber das ist auch nicht erforderlich, da die Winterreifen überwiegend als Funktionsbereifung fungieren. Fette Reifen für die Eisdiele, farbige Reifen usw. werden nicht als Winterversionen benötigt. Extrem schmale Reifen sind im Winter ohnehin nicht geeignet.

Spikes
Es gibt Winterreifen mit zwei oder mit vier Reihen Spikes. Entgegen anderslautender Meldungen, die im Netz herumgeistern, gibt es keine Winterreifen für Fahrräder mit Spikes direkt auf der Mitte der Lauffläche. Das wäre auch wenig geeignet, da man mit den Spikes auf harten Oberflächen eher rutscht als daß sie Haftung geben. Darauf muß man auch beim Fahren achten. Während der Grip auf Eis deutlich erhöht ist, wird das Kurvenfahren auf Asphalt (ohne Schnee) mitunter abenteuerlich. Spikes müssen eingefahren werden, während der ersten ca. 40 km sollten kräftiges Anfahren und Beschleunigen vermieden werden.
Reifendruck
„Beim Mindestdruck greifen die Spikes am besten. Der Maximaldruck reduziert die Laufgeräusche auf freier Straße.“[1] - bei weniger Druck walken die Reifen, dadurch können beide Reihen der Spikes greifen (wenn man zwei Reihen hat). Der richtige Druck ist individuell zu wählen. Da man im Schnee ohnehin mehr Kraft benötigt, empfinden viele Fahrer das Fahren mit zu geringem Druck als zu kraftaufwendig und nehmen in Kauf, daß die Spikes schlechter greifen, wenn Maximaldruck gefahren wird.
Geräusch
Winterreifen machen Krach! Das Geräusch ist entfernt mit einer S-Bahn vergleichbar, es ist ein beständiges Surren. Je nach Untergrund ist es leiser oder lauter, auf jeden Fall erhöht das Geräusch die Sicherheit, da man sich in den meisten Fällen die Klingel sparen kann.
Rechtliches
Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), § 36 Bereifung und Laufflächen legt fest, daß „Reifen oder andere Laufflächen keine Unebenheiten haben dürfen, die eine feste Fahrbahn beschädigen können.“[2] Der ADFC meint: „Es gibt keine Winterreifenpflicht für Fahrräder. Und im Gegensatz zu Autofahrern dürfen Radfahrer Spikereifen benutzen, denn sie beschädigen die Straße nicht.“[3] Hier haben wir also mal wieder eine ungeklärte Situation. Schnelle E-Bikes (über 25 km/h) gelten als Kraftfahrzeuge und dürfen keine Reifen mit Spikes benutzen.
Sicherheit
Beim Fahren bringen Spikes Sicherheit aber man muß auch an andere Aspekte denken. Die Spikes zerkratzen nicht nur die fahrbahn sondern auch Treppenhäuser usw. Und es kann sehr schmerzhaft werden, wenn man jemanden anfährt oder auch nur berührt (Fahrstuhl z. B.). Die kleinen Stahlstifte können ernsthafte Verletzungen hervorrufen oder Blech an Autos zerstören.
Haltbarkeit
Winterreifen mit Spikes halten laut Schwalbe „einige tausend Kilometer“, also deutlich weniger als Sommerreifen. Sind die Spikes und/oder Lamellen abgefahren, wirken die Reifen nicht mehr wie gewünscht und gewohnt. Die Spikes haben einen Kern aus Wolframkarbid und sind damit recht abriebsicher. Aber nichts hält ewig.



Tiefschnee


Im Tiefschnee fahren sich Winterreifen angenehm. Sie greifen gut, egal ob beim Anfahren oder Bremsen. Man darf aber keine Wunder erwarten, man kann durchaus auch mit 240 Spikes pro Rad wegrutschen, wenn man es übertreibt. Es ist wichtig, sich an die Grenzen heranzutasten.

Tiefschnee ist etwa so wie loser Sand, nur daß man in unseren Breiten meistens bis auf tragfähigen Grund durchkommt.

Beim Fahren in Tiefschnee kommen nicht nur die Spikes zum Einsatz, auch das grobe Profil und die feinen Lamellen wirken. Die Reifen halten recht viel Schnee fest, man muß schon noch etwas Platz unter den Schutzblechen lassen, sonst bildet sich dort eine durchgehende Reibfläche, die wie eine Bremse wirkt.

Man sollte beständig mittreten und einen eher kleinen Gang wählen. Auch der Winterreifen kann nicht immer verhindern, daß man mal steckenbleibt oder etwas wegrutscht. Wenn man erst dann wieder in die Pedale treten will, steht man meist schon.



festgefahrener Schnee


Die häufigste Situation dürfte festgefahrener Schnee sein. Hier spielt der Winterreifen seine Stärke aus. Das Profil fährt sich von allein frei, die Spikes greifen und man hat ein Fahrverhalten fast wie im Sommer. Man kann auch durchaus mal in die Kurve gehen.

Gefährlich kann es werden, wenn sich die feste Schneedecke mit freien Stellen abwechselt. Hier kann es passieren, daß man auf Schnee noch ordentlich Grip hat und die Rutscherei beginnt, wenn man mit den Spikes feste Fahrbahn erreicht. Es ist nun nicht so, daß man da keine Haftung mehr hat, sie verringert sich aber ein bißchen und man wird unsicher. Man rutscht auch mit Spikes auf Asphalt nicht weg[4], es ist nur ein anderes Fahrgefühl. Probiert es einfach aus. Die Haftung ist unterschiedlich.

Insgesamt sollte man vorsichtiger als im Sommer fahren. Während Bremsen noch gut beherrschbar ist, sind Kurvenfahrten Übungssache. Werdet nicht übermütig, ihr fahrt schließlich auf dem Untergrund, den Kinder beim Schlittenfahren bevorzugen.




Eis


Fahrräder sind keine Speedway-Motorräder! Die Motorräder haben sehr lange und spitze Spikes und starke Motoren, trotzdem driften sie und die Räder drehen durch. Am Winterreifen vom Fahrrad stecken kurze und stumpfe Spikes und unsere Muskeln können nicht mit Motoren konkurrieren. Also erwartet bitte keine spektakulären Sachen.

Man kann auf Eis fahren. Selbst das von Autofahrern gefürchtete Glatteis (neudeutsch Blitzeis) ist kein Problem, im Gegenteil. Wenn Autos, auch mit Winterreifen, völlig die Kontrolle verlieren und seitlich einfach von der Straße rutschen, kann man mit Spikesreifen am Fahrrad noch gut beherrschbar fahren. Dabei sind es vor allem die Spikes, die für Haftung sorgen.

Solange man eine durchgehende Eisdecke hat, hat man immer recht gleiche bedingungen und kann mit etwas Vorsicht ganz normal fahren. Man muß sich aber vor anderen Verkehrsteilnehmern in Acht nehmen, die rutschen dir eventuell in die Spur.



Splitt


„Früher“ wurde Sand zum Streuen verwendet, heute findet man meist Splitt auf Fahrbahnen und Radwegen. Splitt ist größer und scharfkantig. Viele Radfahrer beschweren sich, daß der Splitt die Reifen zerstört. Das stimmt auch, allerdings weitgehend nur bei Sommerreifen. Diese haben relativ große durchgehende Gummiflächen, in diese schneidet sich der Splitt ein.

Beim Winterreifen sieht das anders aus. Die kleineren Körnchen setzen sich in den Lamellen der Bereifung fest und sorgen so für deutlich bessere Haftung, ohne den Reifen zu zerstören.

Splitt stellt kein Problem dar, ist sogar förderlich und erhöht die Fahrsicherheit. Allerdings ist das Zeug manchmal recht anhänglich und fährt sich nicht gleich ab, man sammelt den Splitt dann über Winter im Keller.




Verschleiß




Fußnoten


  1. Schwalbe.de - Übersicht Winterreifen
  2. StVZO § 36 Bereifung und Laufflächen (1)
  3. ADFC: Radfahren im Winter
  4. FAQ Spikes bei Schwalbe