Sattelpflege

Aus Fahrradmonteur
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begründete ca. 1986 eine neue Klasse der Fahrradsattel: Selle Concor war der erste Plastesattel mit Lederüberzug




Sattelpflege am Fahrrad

Call-a-bike-Fahrräder am Potsdamer Platz in Berlin

Unterteilt man nach Material, gibt es grundsätzlich 3 Hauptgruppen von Sätteln am Fahrrad:

  • Kunststoffsättel mit verschiedenen Dämpfungsfüllungen (Schaumstoff, Gel etc.)
  • Kunsttsoffsättel mit oder ohne Dämpfungseinlagen und Leder- oder Kunstlederbezug
  • Kernledersättel (Brooks und einige wenige andere Hersteller)

Jede dieser Bauformen hat Vor- und Nachteile. Wenn das Fahrrad ständig der Witterung ausgesetzt ist, kann ein billiger Kunststoffsattel sinnvoll sein.

Kunststoffsättel sind weitgehend pflegefrei, sie werden von UV-Strahlung und Temperatureinflüssen geschädigt, was man mit einem Überzug einigermaßen verhindern kann. Ohne jegliche Schutzmaßnahmen können diese Fahrradsattel problemlos jahrelang halten.

Mieträder wie die dargestellten "Call-a-bike" der DB AG haben natürlich Kunststoffsattel, der Pflegeaufwand von Leder wäre unangemessen hoch. Wünscht man maximalen Komfort, führt der Weg fast zwangsweise zu einem Kernledersattel. Der Pflegeaufwand hält sich dabei in Grenzen, wenn man gewisse Spielregeln einhält.

Brooks ist ja nur Teufelszeug, wenn es nach den Aussagen der Hersteller der Wundersattel geht...

Beim Thema Sattel darf eins nicht fehlen: die immer weder kolportierten Wundersattel, die schmerzfreihs Fahren versprechen. Sheldon Brown nennt es "Hysteriewelle" und das trifft den Punkt ganz gut. Die verschiedenen „Medizinischen Sattel“, „Ergonomische Sattel“, „Nasenlose Sattel“, „Lochsattel“... usw. sind nichts weiter als Marketingmaßnahmen.

Glaubt man der Werbung für diese Wundersättel, dann hätten alle Radfahrer Prostata- und Potenzprobleme. Seltsamerweise erfährt man über derartige Probleme ausschließlich von diesen Herstellern, Radfahrer beschweren sich nicht darüber. Komischerweise haben Radfahrer sogar Nachkommen....

Fahrradsattel haben sich in der Geschichte des Fahrrads relativ wenig verändert. Die Sattelpflege ist viel einfacher geworden als sie noch vor einigen Jahrzehnten war. Eigentlich möchte sich niemand damit beschäftigen, der Sattel soll einfach funktionieren. Aber je nach material muß doch ein wenig Pflege sein.

...weiterlesen: Wundersattel




Die meisten Bilder auf dieser Seite entstanden innerhalb weniger Minuten am Potsdamer Platz in Berlin und stellen einen schönen Querschnitt geschundener Fahrradsättel dar. Ich habe wirklich nicht zielstrebig gesucht sondern bin nur ein bißchen hin- und hergelaufen. Das könnte auch an irgendeinem beliebigen anderen Bahnhof sein.



Kernledersattel im Backofen oder nicht?

Billiglösung Plastetüte

Das "Backen" eines neuen Kernledersattel im normalen Haushaltbackofen ist oft beschrieben, dementiert, als Gerücht, Unfug, beste Methode beschrieben. Was ist da dran?

Fakt ist, daß ein Sattel auf dem Fahrrad im Sommer in der prallen Sonne schnell 60-70°C Oberflächentemperatur erreicht. Dies entspricht etwa der Temperatur, die immer beim Backen empfohlen wird. Damit erübrigt sich die Frage der Sinnhaftigkeit des Backens - es kann, muß aber nicht. Der eingefettete Sattel in der Sommersonne hat den gleichen Effekt wie ein Backofen.

Durch das Backen kann die Einreitphase, welche zwischen 500 und 2.000 km dauern kann, deutlich verkürzt werden, der Sattel "passt" viel früher und wird bequem. Auf den ersten Kilometern kann ein Kernledersattel durchaus schmerzhaft drücken, das geht aber schnell weg.

Ebenso oft wird diskutiert, ob der Sattel nun oben oder unten oder von beiden Seiten gefettet wird. Ein Fetten von unten ist bei Rennrädern sinnvoll und notwendig, weil im Regen Wasser vom Reifen hochspritzt. Inwiefern das Fetten von unten bei Rädern mit Schutzblechen erforderlich oder sinnvoll ist, wird kontrovers diskutiert. Jedenfalls schadet es nicht.

Wie oft soll man fetten? Eine genaue Zahl kann nicht genannt werden. Als grober Wert kann halbjährlich genannt werden. Je nach Witterung, Fahrintensität und verwendeter Fettmenge kann man aber auch sehr stark vom halbjährigen Intervall abweichen. Brooks warnt vor zu intensivem Fetten. Wenn man den Sattel ständig fett hält, wird er zu weich, er "verseift". Folge ist ein Durchhängen der Satteldecke, man kann diese aber nachspannen. Jedem Brooks liegt ein Sattelspannschlüssel bei. Aber irgendwann ist mal Schluß mit Nachspannen. Hat man zu intensiv gefettet, dann hat man irgendwann einen durchhängenden Sattel, den man nicht mehr spannen kann. Man riskiert außerdem, daß das Leder an de Nieten so weit aufgeweitet wird, daß sich die Nieten lockern. Zu viel ist also auch nicht gut.

Ein frisch eingefetteter Sattel färbt gern auf die Hose ab. Wird eine Plastetüte darüber gezogen, verhindert man das abfetten, der Sattel wird nicht vom Regen getroffen und das Fett wird gut einmassiert, weil es nicht von der Hose aufgesogen werden kann. Allerdings rutscht man fürchterlich auf dem Sattel herum.



Was sagt Brooks zur Sattelpflege?

Brooks 2002
Brooks 1952

Brooks legt neuen Satteln einen Briefumschlag bei, auf dem steht: "Öffnen sie bitte, lesen und lernen sie, warum dies ein Produkt fürs Leben ist". Das macht neugierig.

Fetten

Brooks redet auch von einer "Einreitphase", umschreibt dies aber britisch-zurückhaltend mit "Einfahrprozeß". Man empfiehlt während dieser 3-6 Monate mehrmaliges Fetten von unten und oben. Dabei von oben nur dünn,Fett einziehen lassen und polieren. Das Polieren ist von unten nicht nötig. Laut Brooks benötigt die Oberseite von Aged-Satteln keine Behandlung. Wirklich, das schreiben sie! Hmmmm, Aged also nur von unten.... So recht traue ich dem ja nicht. Aber weiterlesen.

Sattel färben ab. Werden sie naß, färben sie noch stärker. Sind sie naß geworden, sollen sie einfach nur natürlich trocknen. An dieser Stelle möchte ich mal ein wörtliches Zitat anbringen, es scheint den Leuten von Brooks wichtig zu sein:

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Vermeiden Sie unter allen Umständen, einen nassen Sattel mit Profide zu behandeln und zu spannen.

   Brooks: Produktinformation Sattelpflege

Profide ist der Name des Sattelfettes von Brooks. Sicher, es gibt andere Marken, bestimmt auch billigere. Aber es riecht gut (ich persönlich denke dabei an Orangen, kann mich aber auch irren). Und es ist ganz sicher das Richtige für den Sattel, der ja teuer war. Warum beim Fett um einen Euro feilschen, wenn der Sattel mehr als das Hundertfache gekostet hat?

Spannen

Man soll laut Brooks den Sattel so selten wie möglich und dann nur um Viertelumdrehungen spannen. Sie schreiben wie ich weiter oben, daß ein einmal völlig gespannter Sattel nicht mehr nachgespannt werden kann. Genau das ist auch die Gefahr, die bestehen würde, wenn man den nassen Sattel spannt. Sattel der Marken Aged und Imperial fahren sich schneller ein, müssen aber auch schneller nachgespannt werden. Beide sind mit Schnüren versehen, die ein Spannen der Flanken ermöglichen und die ebenfalls regelmäßig gespannt werden sollen.

Sattelstütze

Es gibt Brooks-Sattel mit Einfachgestell (Rennsattel) sowie mit Zweifach- und Dreifachgestell. Während man bei Satteln mit Einfachgestell Patentsattelstützen benutzen kann, dürfen die anderen Muster nur mit den mitgelieferten Sattelkloben gefahren werden. Eigene Erfahrung: Man kann zwar problemlos eine Patentsattelstütze an den beiden unteren Streben der Mehrfachgestänge befestigen aber einerseits funktioniert dann die Federung nicht mehr wie geplant und andererseits kann das Gestell brechen. Und das ist eine schmerzhafte Erfahrung, die man sich ersparen sollte.

Sattelmontage

Hier verliert Brooks einige recht nichtssagende Worte. Man soll das Gewicht auf dem hinteren Teil des Sattels haben, ihn so platzieren, daß man nicht auf die Nase rutscht,nicht so hoch, daß man sich nach den Pedalen strecken muß. Eins ist erwähnenswert: Auch Brooks schreibt, daß der Sattel in der Regel genau waagerecht befestigt werden soll. Näheres zum Thema Einstellen des Sattels findet ihr hier:

...weiterlesen: Fahrrad einstellen




Womit fettet man den Fahrradsattel?

über 60 Jahre alter Sattel von Brooks mit deutlichen Gebrauchsspuren; aufgefrischt mit Ballistol und danach Brooks Proofide
billig aber wichtig: ordentliche Lappen zum Polieren
auch nach über 100 jahren noch brauchbarer Fahrradsattel an einem Museumsrad

Eins vorweg: In diesem Abschnitt geht es ausschließlich um Fahrradsattel aus Echtleder. Alle anderen Materialien brauchen keine regelmäßige Pflege bzw. dort wäre eine Pflege überflüssig. Es geht also um Brooks, Lepper & Co. sowie um die fast schon wieder aus der Mode gekommenen Plastesattel mit Lederbezug.

Kernleder

Fahrradsattel werden aus Rinderleder hergestellt. Die korrekte Bezeichnung ist dabei „Kernleder“. Diese Bezeichnung definiert Materialdicken ab 2,5 mm, gute Kernledersattel sind aber meistens doppelt so dick. Dick van de Steeg von Lepper: „Die Leder für die Satteldecke sind 4,8 bis 5,2 Millimeter dick. Es gibt nur zwei bis drei Gerbereien in Europa, die das anbieten können“. Bei preiswerteren Satteln werden auch zwei dünne Lagen verbunden.[1]

Hier werden alle Methoden genannt, die irgendwie sinnvoll in Frage kommen oder bei denen ich vermute, daß jemand auf die Idee kommt, das Mittel zu benutzen.

Jeder putzt Lederschuhe mit Schuhcreme, wenn sie schmutzig oder stumpf werden, wenn sie undicht sind und man nasse Füße bekommt. Aber viele Leute vernachlässigen ihren Fahrradsattel. Selbst wenn man viel Geld für einen Kernledersattel ausgegeben hat, gammelst das gute Teil jahrelang bei Wind und Wetter vor sich hin. Ledersättel überstehen solche Torturen sogar noch länger als ihre Kollegen aus Plaste. Aber nach einigen jahrzehnten ist dann doch jeder Sattel kaputt. Wer seinen Sattel zumindest ein bißchen pflegen möchte, findet hier entsprechende Tips.

Brooks Proofide
Brooks Lederfett Proofide
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Das ist wirklich erste Wahl, Nichts dran auszusetzen. Anfangs riecht es sogar noch frisch nach Orange (?), später läßt das nach. Der frisch gefettete Sattel färbt meist etwas, man sollte dann also nicht die besten Hosen anhaben. Nach dem Trocknen läßt sich der Sattel blankpolieren wie Schuhe, also mit Bürste oder Lappen. Er wird dann schön blank und fast wasserfest. Wie bei allen Pflegemaßnahmen wird der Effekt verstärkt, wenn man anfangs mit einem Sattelbezug fährt und so das Pflegemittel in den Sattel einarbeitet.

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Lederfett, handelsüblich
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Fast so gut wie das von Brooks, dafür ist es wesentlich billiger. Mein subjektiver Eindruck ist, daß es nicht so schnell einzieht und sich der Sattel nicht ganz so blank polieren läßt wie beim Brooks Proofide.

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Schuhchreme
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Doch! Es funktioniert! Es ist nur eine ziemliche Schweinerei, wenn man keine farblose Schuhchreme nimmt. Der Sattel wird sogar wasserfester als beim Brooks Proofide, es hält aber nicht so lange vor.

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Ballistol
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Kann man nehmen, aber nur sehr vorsichtig. Nimmt man zu viel Ballistol, verseift das Leder, es wird schmierig und rutschig und das gibt sich nie mehr so richtig. Gut geeignet ist Ballistol für das Fetten von unten, aber bitte nicht jedes Jahr! Für die Satteldecke bitte nur im Notfall verwenden bzw. nur sehr sparsam.

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Lederpflegetücher
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Diese Tücher funktionieren erstaunlich gut, auch wenn sie nicht gerade billig sind. Besonders effektiv ist es, wenn man nach dem Einreiben des Sattels einen dichten Sattelüberzug benutzt und das Tuch dazwischen läßt. Eigentlich reibt man damit Gürtel, Handtaschen usw. ein, entsprechend gering sind die Mengen an schützendem Material, was eingebracht wird.

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Flüssige Lederpflege
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Diese Flüssigpflege ist gut geeignet, zieht schnell ein und schützt auch etwas gegen Feuchtigkeit, allerdings nicht so gut wie Lederfett. Eigentlich ist das wie die Tücher für "edle" Ledererzeugnisse wie Handtaschen gedacht, diese werden ja dem Regen nicht so extrem ausgesetzt wie manche Fahrräder. Wenn der Sattel nur selten mal naß wird, kann das ausreichen. Diese Pflegelösung fettet nicht nach, man hat keine Spuren auf der Hose, wenn man die Jeans bekleckert. Also erst recht nicht, wenn man auf dem angetrockneten Sattel sitzt.

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Kettenfließfett
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Kettenfett ist nun wirklich nicht dazu gedacht, mit der Hose in Berührung zu kommen. Man wird als Radfahrer eigentlich immer darauf achten, daß genau dies nicht passiert. Aber als Pflegemittel für den sattel ist es trotzdem geeignet. Schließlich hat man am sattel normalerweise nicht den schwarzen Metallabrieb, der den Kettendreck so eklig macht. da Fließfett sehr klebrig und schmierig ist, muß man sehr lange Trockenzeiten einplanen und gut nachpolieren. Aber es funktioniert. In der Praxis wird man das aber wohl doch eher nur für die Unterseite nehmen wollen...

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Butter, Margarine, Speiseöl
Prinzipiell ist die Verwendung von Ölen und Fetten möglich, die wir normalerweise zur Ernährung benutzen. Wie beim Ballistol sollte man allerdings nicht zu verschwenderisch damit umgehen. Technisch gesehen ist das also machbar. Ich rate jedoch trotzdem davon ab, wenn es mehr als nur mal zwischendurch ein ganz klein wenig ist. Diese natürlichen Öle und Fette werden irgendwann "ranzig" und riechen dann entsprechend, im schlimmsten Fall stinkt das ganze Fahrrad. Und es ist ungleich schwieriger und auch teurer, diesen Gestank loszuwerden, als sich einmal ordentliches Sattelfett zu kaufen.

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WD-40
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Es könnte ja sein, daß das jemand nehmen will. Es ist aber keine gute Idee. WD-40 basiert auf Petroleum und das entfettet den Sattel eher als daß es pflegt. Das bißchen Schmierstoff, was der Hersteller im WD-40 versteckt hat, kommt nicht zur Wirkung. WD-40 hat nichts auf dem Fahrradsattel zu suchen.

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Amway Schuhspray
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Als Lack für Schuhe ist das hervorragend und es gibt bisher auch keinen Ersatz dafür, seit es vom Markt genommen wurde. Dem Fahrradsattel hilft es allerdings nur, wenn es sich um ein Museumsrad handelt. Der Sattel glänzt wie eine Speckschwarte und ist auch einigermaßen wasserfest, allerdings ist das wirklich nur oberflächlich. Man reibt diesen Lack sehr schnell wieder herunter, das ist rausgeschmissenens Geld. Für Schuhe ist es aber wirklich gut, wenns nur um die Optik geht.
Imprägnierspray
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Das Zeug macht zwar wasserdicht, es pflegt jedoch nicht. Als alleiniges Mittel ist es ungeeignet, macht auch die Satteldecke rissig. Man kann den gut gefetteten und abgeriebenen Sattel zusätzlich impräglieren, ob das wirklich etwas bringt, wage ich zu bezweifeln. Im direkten Vergleich habe ich jedenfalls keine Unterschiede bemerkt. Dieses Mittel im Bild links wird im Internet vereinzelt als Ersatz für das Schuhspray von Amway genannt, es hat damit aber nichts gemeinsam.
Halböl
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Halböl ist eine Mischung von Terpentinöl und Leinölfirnis, das wird üblicherweise in Tischlereien als prinzipieller Erstanstrich aller Hölzer verwendet. Später hat sich Terpentin und/oder Lalböl auch bei Künstlern verbreitet. Nach dem Trocknen des Halböls entsteht Linoxin, was ähnliche Eigenschaften wie eine glatte Lederoberfläche hat. da dieser Test einige Zeit dauern wird, kommt die Bewertung erst später. Ich halte es für möglich, daß man mit Halböl gealterte und rissige Sättel auffrischen kann.

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flüssiges Bienenwachs
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Das Wachs ist sehr gut für die Sattelpflege geeignet und aufgrund der großen Gebinde auch sehr billig. Außerdem riecht es gut, hält wasser ab und sorgt für einen schönen Glanz. Wird der Sattel dann mehrmals naß, muß man eher als bei Sattelfett nachbehandeln. Das Wachs hinterläßt keine Spuren auf der Hose.

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Motorenöl
Sheldon Brown meint, daß normales Motorenöl gut geeignet ist, die Einfahrzeit eines Sattels stark zu verkürzen: Ledersättel#Einen_Ledersattel_einfahren. Allerdings verschleißt ein solcherart behandelter Sattel später schneller.




Billigmöhre

Billiger Fahrradsattel nach einigen Jahren im Freien

Die ganz billigen Sättel sehen nach einigen Jahren Gebrauch ziemlich mitgenommen aus.

Hier ist nichts mehr zu retten, nach Regen holt man sich einen nassen Hintern, weil das Wasser gern und lange im Schaumstoff gespeichert bleibt. Als Notbehelf kann man noch eine Plastetüte darüber ziehen.

Allerdings sind die Billigsattel besser als ihr Ruf, es dauert schon etliche Jahre, bis das so aussieht wie hier. Und beim Preis dieser Sattel ist ein Ersatz nicht sonderlich schmerzhaft.

Die Oberflächen sind meistens aus PVC, was sehr gut schweißbar ist. Man kann versuchen, den Bezug irgendwie mit Hitze und etwas zusätzlicher Folie zu schweißen. Falls man jedoch dabei anderes Material erwischt oder zuviel Temperatur anwendet, hat man den Sattel sehr schnell völlig zerstört.

 




So beginnts

Fahrradsattel mit beginnenden Verschleisserscheinungen

Dick gepolsterte und weiche Sattel können bereits nach wenigen Monaten erste Risse aufweisen. Je weicher und dicker gepolstert ein Sattel ist, umso schneller ist dieser Effekt zu bemerken.

Wenn man rechtzeitig einen (wasserdichten) Bezug besorgt, kann man diesem Verfall etwas Einhalt gebieten.

Wie bereits oben geschrieben, kann man versuchen, die Hülle zu schweißen. Ewig wird das aber gerade bei weichen Satteln nicht halten. Je weicher ein Sattel ist, umso eher reißt die dünne Plastehülle.

 




PUR-Schaum

Fahrradsattel aus PUR-Schaum

Diese Art Sättel sind eigentlich völlig unbrauchbar, halten nur wenige Monate. Sie sind UV-anfällig und zerfallen umso schneller, je mehr sie im Licht stehen.

Gegen des Zerfall hilft ein Bezug, aber nur bedingt - darunter zerbröselt der Sattel etwas langsamer ebenso weiter. Hände weg von solchem Zeug!

 




Was er nicht mag

Fahrradsattel mit Brandlöchern

Kein Plastesattel mag Hitze! Wenn man nicht aufpaßt, kommt es sehr schnell zu solchen Verunzierungen.

Andererseits ist Hitze eine Möglichkeit, beginnende Risse eventuell noch reparieren zu können. Dies geht aber nicht mit allen Materialien, siehe dazu auch Plaste und Elaste.

 




PVC-Bezug

Fahrradsattel mit Bezug aus Weich-PVC

Derartige Sättel sind besser, als sie im Alter aussehen. Sie halten länger als die weiter oben beschriebenen Modelle.

10 - 15 Jahre kann solch ein Sattel durchaus halten, mehr ist aber kaum möglich. Da der Bezug weit weniger belastet ist als der ständig durchgewalkte bei breiten, weichen Satteln, kann man hier längere Lebensdauer erwarten. Wenn der Verfall jedoch beginnt, ist er kaum noch aufzuhalten. Da sie jedoch nur eine dünne Polsterung aufweisen, die Wasser aufnehmen kann, ist es möglich, damit noch lange weiterzufahren.

 




Erste Probleme

Plastesattel mit Lederbezug

Diese Art Sattel kam Anfang der 90er Jahre auf. Sehr beliebt war damals das Modell "Concor" von Selle. Es handelt sich dabei um Sattel mit Plastekern und (Kunst)Lederbezug.

Sofern es sich um Echtleder handelt, kann solch ein Sattel gut mit Lederfett gepflegt werden. Allerdings sind viele Modelle gefärbt und man kann nicht eindeutig erkennen, ob man wirklich Leder vor sich hat. Schaden wird es in keinem Fall, höchstens der Hose.

Ledersattel dieser Bauart sind bis heute gebräuchlich und sehr langlebig.

 




Lederbezug k.o.

Ledersattel verschlissen

Irgendwann hilft aber auch bei diesen "Pseudo-Ledersätteln" nichts mehr. Egal ob der Bezug Leder oder Kunstleder ist, wenn der Sattel wie auf diesem Bild aussieht, ist es zu spät und man kann nichts mehr retten.

Selbst mit einer Einkaufstüte drüber wird sich solch ein Sattel sehr schnell selbst zerlegen.

 




Noch zu retten

Verwitterter Ledersattel

Dieser alte Ledersattel sieht schlimm aus, er hat Jahrelang im Freien verbracht und wurde dabei nicht gepflegt. Das geschätzte Alter dürfte bei 15 - 20 Jahren liegen.

Wenn nichts passiert, ist sein Leben bald vorbei - aber selbst derart verwitterte Sättel kann man mit intensiver Pflege noch retten.

Alle paar Wochen Lederfett von oben und unten, nach einem halben Jahr sieht er wieder ansehnlicher aus, ist fast wasserdicht und gut für weitere 10 bequeme Jahre.

 




Erste Spuren

Ledersattel nach 1-2 Jahren ohne Pflege

Wird der Ledersattel 1 - 2 Jahre einfach nur gefahren, ohne daß man irgendwas unternimmt, sieht er etwa so aus.

Das Ganze ist nicht weiter schlimm, nur ein Schönheitsfehler. Nach ordentlichem Einfetten ist alles wieder in Ordnung. Allerdings darf mann es auch nicht übertreiben, irgendwann verlangt das Leder nach Pflege.

 




Stehendes Wasser

Ledersattel ungepflegt

Dieser Sattel hat schon einiges mehr hinter sich. Hier wird es höchste Zeit, etwas zu unternehmen. Dick einfetten, notfalls die ersten Wochen eine Tüte darüber. Nach einem Monat sollte der Spuk vorbei sein und der Sattel sieht wieder gut aus.

Vor dieser Behandlung muß der Ledersattel allerdings sehr gut getrocknet sein, sonst kann er schimmeln.

 




Zu spät

Etwas vergammelter Kernledersattel

Hier ist ein typisches Beispiel für einen Sattel, bei dem zu spät gepflegt wurde und das dann auch nur halbherzig. das Lederfett reicht nicht aus, den Sattel ausreichend vor Wasser zu schützen. Er ist zwar wieder schön dunkel geworden, die Pflegemaßnahmen haben aber nicht ausgereicht. Hier muß noch viel mehr Fett drauf!

Eigentlich ist es zu spät für diesen Sattel, wie neu wird er nicht mehr. Aber bei ausreichend Fett wird er weiter nutzbar bleiben.

 




Typischer Abrieb

Typischer Abrieb an einem ungefetteten, neuen Kernledersattel

Wenn man einfach nur mit dem neuen Sattel fährt, bilden sich an Sattelnase und im hinteren Bereich Abriebspuren. Dies kann nützlich sein, um zu erkennen, an welchen Stellen das eigene Gesäß besonders deutlich reibt - dies ist bei jedem Menschen anders.

Beim ersten neuen Sattel sollte man vielleicht mit dieser Methode ermitteln, welche Stellen besonders viel Pflege benötigen. Allerdings darf das nicht übertrieben werden, dieser Zustand stellt das äußerste dar, hier muss Fett drauf!

 




½ Jahr ohne Pflege

Kernledersattel nach 1/2 Jahr in Wind und Wetter

Dieser Sattel ist ein Jahr alt, stand einen Winter über ohne jede Pflege ungeschützt im Freien. Die Spuren sieht man nur in der Vergrösserung, sie sind aber bereits sichtbar. Er ist auch bereits deutlich weicher geworden und hängt durch, dieser Sattel muß gespannt werden.

Es ist jetzt an der Zeit, mit der Pflege zu beginnen, will man den teuren Kernledersattel nicht ruinieren. Wenn sich Nieten bereits von der Lederfläche lösen, dann ist es schon fast zu spät.

 




Edelversion

Edler Sattelbezug von Brooks

Natürlich bietet Brooks für seine edlen Kernledersattel Bezüge an. Diese sehen edel aus, sind aber nicht 100%ig wasserdicht. Sie bieten allerdings den Vorteil, dass man darauf fahren kann, man rutscht nur geringfügig mehr als ohne Bezug.

Als Anti-Fett-Bezug angewandt, schützen sie die Hose vor Flecken und werden dabei auch noch selbst wasserdicht. Vielleicht ist das ja so geplant?

Mittlerweile gibt es auch deutlich dickere Modelle dieser Bezüge, die von Hause aus wasserdicht sind.

 





Weiterführende Links



Fußnoten

  1. RADtouren – Das Radreise-Magazin 1/2017, S. 70, kleine Lederkunde



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