Treidelweg Finowkanal

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Der Treidelweg ist ein Radweg entlang des Finowkanals im Nordosten von Brandenburg. Der Weg verläuft weitgehend direkt am Kanal, lediglich in der Nähe der Schleusen und bei Niederfinow entfernt er sich etwas. Die Beschreibung erfolgt „flußabwärts“.

Der Finowkanal wurde vor 400 Jahren (1605 - 1620) das erste Mal erbaut, zerfiel aber nach dem 30-jährigen Krieg. 1746 wurde er zum zweiten Mal eingeweiht und erreichte seine Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Kreisstadt Eberswalde ist mit 6 historischen Schleusen am 15 km langen Teilabschnitt des Finowkanals im Stadtgebiet die schleusenreichste Stadt des Landes Brandenburg. Im Mittelalter wurden die Schiffe 'getreidelt' - also von Land aus mit Pferden gezogen. Diese Wege beidseits des Kanals wurden nach 1998 ausgebaut und dienen der Naherholung für Wanderer, Skater und Radfahrer.

Da der Treidelweg entlang des ehemaligen Flußbettes der Finow verläuft, aus dem der Finowkanal wurde, sind keine nennenswerten Steigungen oder Geälle vorhanden. Nur selten werden öffentliche Straßen befahren. Die Gesamtlänge des Radweges ist 35 km.



Zerpenschleuse - Finowfurt


Von Marienwerder bis Finowfurt führt der Treidelweg über die Bundesstraße 2. Ob die Schließung dieser Lücke erfolgen wird, ist ungewiß. Da entlang des Kanals in diesem Bereich viele Moore existieren, wäre der Bau eines Radweges in diesem Bereich extrem teuer.

Hinter Marienwerder überquert man den Oder- Havel- Kanal, passiert einige Karpfenteiche und fährt dann etwa 4 km auf der B 2 durch Waldgebiet. Hinter einer Kreuzung (Abzweig zum Werbellinsee) überquert man den Oder- Havel- Kanal abermals. Etwa 300 m vor der Autobahn A 11 führt ein schlechter Weg rechts ab, nach etwa 1 km fährt man links, überquert die Autobahn und erreicht nach weiteren 2 km das Ortszentrum von Finowfurt. Hier kommt man direkt an einem Supermarkt vorbei, bevor es rechts rum zur Stadtschleuse geht.



hinter Finowfurt


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Von der Schleuse Finowfurt führt der asphaltierte Weg direkt am Nordufer des Kanals entlang. Man passiert den Gewerbepark Finowfurt südlich, dort befindet sich ein Hotel, viele Autohäuser, ein Großhandel sowie viele kleine Firmen.

Weiter östlich passiert man einige großzügige Eigenheimgrundstücke und überquert auf einer Holzbrücke den „Durchstich“, eine natürliche Verbindung von Finowkanal und Mäckersee. In Höhe von Finow beginnen Kleingartensiedlungen.

Der Weg ist gut erhalten, man fährt auf der sonnigen Nordseite des Finowkanals. Man kommt gut voran, es rollt einfach.



Teufelsbrücke


Weidendammer Brücke 1881 in Berlin

Am Messingwerk Finow fährt man direkt an der Teufelsbrücke vorbei, die eine bewegte Geschichte aufweist: Sie wurde von 1824 bis 1826 als Weidendammer Brücke in Berlin errichtet. 1880 wurde sie um Fußwegbahnen ergänzt.

Brücke in Liepe 1908

1895 erfolgte die erste Umsetzung der Brücke, sie wurde um 13 m gekürzt in Liepe über den Finowkanal wieder aufgebaut.

Im Jahr 1913 wurde sie nochmals gekürzt und über der Ausfahrt des Messingwerkhafens montiert. Der mittlere Brückenteil ist herausnehmbar, um größeren Schiffen eine Durchfahrt zu ermöglichen. Gelegentlich wird sie auch 'Treidelpfadbrücke' genannt.

Die Brücke ist eine dreijochige, jetzt 23 m lange und etwa 2,30 m breite Ganzmetallkonstruktion aus genieteten und verschraubten L-Profilen und Blechen; das teilweise geschweißte Geländer ist mit Sicherheit nicht original. Das Mittelteil ist auf gußeisernen Säulen gebettet.

Teufelsbrücke heute

Die gesamte Brücke ist in sich schief, dies kann nachlässige Fertigung sein oder auf einen Transportschaden, auf Setzungen oder einen Unfall zurückzuführen sein. Hafen- und Kanalseite des Bauwerks sind um etwa 8 cm versetzt, was eine Schieflage von etwa 3° bedeutet. Die Widerlager sind ebenfalls schief, was Setzungen oder Unfälle am jetzigen Standort ausschließt.

Woher der Name 'Teufelsbrücke' stammt, ist nicht mehr zu ermitteln. Laut Denkmaltopographie besitzt sie wegen ihrer Vorgeschichte besonderen kulturhistorischen Wert.



Eberswalder Goldschatz


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Wenige 100 m nördlich der Teufelsbrücke befindet sich die denkmalgeschützte Messingwerksiedlung, wo eine Kopie des größten deutschen Goldfundes an der Fundstelle im Außenbereich ausgestellt ist.

Der Golddepotfund – der Hausschatz eines semnonischen Edelings – in der Messingwerksiedlung aus der nordischen jüngeren Bronzezeit gibt Hinweise auf Verbindungen in das heutige Siebenbürgen. Er gilt als der größte Goldfund in Deutschland. Die acht Goldschalen sowie 73 andere Teile wie Halsschmuck und Armbänder mit einem Gesamtgewicht von 2,54 Kilogramm purem Gold stammen aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. und wurden am 16. Mai 1913 bei Ausschachtungsarbeiten eines Hauses in einem Tongefäß entdeckt und nach Berlin gebracht. 1945 fielen diese offenbar der Roten Armee in die Hände. Im Januar 1994 wurde bekannt, das sich der sogenannte Eberswalder Goldschatz im Moskauer Puschkin- Museum befindet. Ende Januar 2004 sind erstmals seit den 40er Jahren wieder Originalfotos von ihm veröffentlicht worden.



Finow


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Das Stadtzentrum von Finow erkennt man an der Kirchturmspitze südlich des Kanal. Später sieht man die ehemaligen Fabrikanlagen der Papierfabrik Wolfswinkel, welche bis 1990 das Briefpapier der britischen Königin als handgeschöpftes Bütten hergestellt hat.

Hinter der Teufelsbrücke verläßt man den Kanal kurz, fährt eine Brückenrampe auf Kopfsteinpflaster hoch und vor der Brücke wieder links runter auf den Radweg. In Höhe der Heegermühler Schleuse führt eine separate Brücke über einen Bach, dieser ist fast einziger Rest des alten Flusses „Finow“. Später passiert man ein ehemaliges Heizkraftwerk, heute ist es Ruine.

An der Stadtteilgrenze zu Eberswalde erreicht man das „Altwerk“, ein ehemaliges Walzwerk, welches zur Landesgartenschau 2002 unter dem Motto „Blütenträume am Finowkanal“ umfangreich umgebaut wurde.



Familiengarten Eberswalde


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Das Gelände der Landesgartenschau befindet sich heute der Familiengarten Eberswalde. Neben umfangreichen Gartenanlagen kann man Bauwerke und technische Anlagen aus drei Jahrhunderten, z.B. Blechenhaus, Hufeisenfabrik, Reste des alten Walzwerks und Eberkran besichtigen. Vom eigentlichen Altwerk ist nicht mehr viel erhalten geblieben.

Auf der „LaGa“, wie das Gelände im Volksmund weiterhin heißt, kann man auch die größte Taschenuhr der Welt betrachten (eingetragen im Guiness- Buch der Rekorde). In einem Birkenwald befindet sich ein ausgedehnter Abenteuerspielplatz, leider wird für den Familiengarten Eintritt verlangt.

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Mit Tretbooten kann man die unterirdische Welt der Sinterkanäle besuchen, überreste der ersten Walzstraße sowie 2 Schornsteine sind ebenfalls vorhanden.

Direkt neben dem Familiengarten bestehen mehrere Einkaufsmöglichkeit im Supermarkt sowie eine Autowerkstatt.

An der Drahthammer Schleuse überquert man den Kanal und fährt etwa 3 km am Südufer bis nach Kupferhammer. Direkt an der Schleuse bietet sich eine kleine Wiese für eine Rast an. Ab hier ist der Treidelweg belebter, man muß mit Gegenverkehr und Fußgängern rechnen. An der Straßenkreuzung und Brücke sollte man nicht den Wegweisern folgen, sondern die nächsten 500 m bis zur Kupferhammer Schleuse auf der Straße fahren, der Weg am Nordufer ist sehr schlecht. Folgt man der Straße weiter bergauf, gelangt man zum Bahnhof Eberswalde (Bahnlinie Berlin-Stralsund).

Ab der Kupferhammer Schleuse fährt man wieder am Nordufer und gelangt an Kleingärten vorbei ins Stadzentrum von Eberswalde. Hinter dem Ortsteil Kupferhammer unterquer man die Bahnlinie.



Eberswalde


Maria-Magdalenen-Kirche Eberswalde

Man bemerkt nicht, daß man sich im Zentrum der Kreisstadt befindet. Nach etwa 2 km erreicht man die Stadtschleuse Eberswalde, direkt südlich davon befindet sich der Marktplatz und die Maria- Magdalenen- Kirche mit der höchsten gemauerten Kirchturmspitze der Welt. Die Kirche wurde 1333 erbaut, das Dach in seiner jetzigen gemauerten (statt ziegelgedeckten Form) existiert seit 1876.

Kirchbesichtigungen sowie das Besteigen der Spitze sind möglich, es sind 4 Aussichtsplattformen angebracht.

Besuchenswert in und um Eberswalde sind folgende Ziele:

  • der Tierpark, ausgezeichnet von der Stiftung Warentest als „bester Kleinzoo Deutschlands“</li>
  • der forstbotanische Garten</li>
  • eine Fahrt mit dem Oberleitungsbus (erster Regelbetrieb eines Obusses in der Welt am 15. März 1901)</li>
  • höchster Kanaldamm Europas: Ragöser Damm (28 m Höhe, Baujahr 1908)</li>
  • höchste gemauerte Kirchturmspitze der Welt: Maria-Magdalenen-Kirche (Baujahr 1333, Turm in heutiger Form 1876)</li>
  • Die größte Taschenuhr der Welt liegt im Familiengarten (im Guinness Buch der Rekorde eingetragen)</li>
Oberleitungsbus in Eberswalde 1901

Der Martin-Gropius-Bau der Landesklinik Eberswalde (Klinik für Psychiatrie) war vom Zweiten Weltkrieg bis nach der Wende von der Sowjetarmee besetzt und wurde umfassend renoviert. Im Stadtzentrum befinden sich am südlichen Rand des Eberswalder Urstromtals zwei Treppen: die Goethetreppe und die Schillertreppe. Als Neubau wurde die Bibliothek der Fachhochschule Eberswalde mit Architekturpreisen bedacht, ist aber bei der Bevölkerung äußerst unbeliebt. Der Betonklotz steht direkt an der Friedrich- Ebert- Straße im Stadtcampus

Herstellung Eberswalder Spritzkuchen

Der Eberswalder Spritzkuchen ist ein Gebäck aus Brandteig, der in Fett ausgebacken wird. In der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise wurden von der Stadt Eberswalde zwei Notgeld-Scheine ausgegeben (25 und 50 Pfennig). Es kursiert das Gerücht, dass diese Scheine zum Bezahlen von Spritzkuchen auf dem Bahnhof gedacht waren, sie waren aber normales Notgeld.

Der Berliner Konditor und Lebküchler Gustav Louis Zietemann erwirkt am 23. Februar 1832 die Genehmigung, sich als Konditor niederzulassen. Am 1. April 1832 eröffnet er seine Konditorei und überrascht die Bevölkerung mit einem neuen Gebäck, dem originalen Eberswalder Spritzkuchen. Ab 1842 lieferte er seine Spritzkuchen an den Bahnhof, wo seit dem 1. August die neue Bahnlinie Berlin–Stettin verkehrte. So wurden die Spritzkuchen ein Werbeträger für die Stadt und viele Reisende verbanden den Namen von Eberswalde mit den Spritzkuchen.

Stadtschleuse Eberswalde

Von der Eberswalder Stadschleuse aus führt der gut ausgebaute Weg direkt am Kanal lang an der ehemaligen Badeanstalt vorbei (heute Angelbad und Imbiß) zur Ragöser Schleuse. Hier befand sich eine Fischgaststätte, sie ist aber seit Jahren geschlossen.

Der Finowkanal ist im Gebiet um Eberswalde sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Treidelweg recht belebt. An den Brückenunterführungen ist es üblich, vor dem Passieren zu klingeln, um entgegenkommenden Radlern mitzuteilen, daß man kommt.



Ragöser Schleuse bis Niederfinow


Hinter der Ragöser Schleuse wird es ruhig, die meisten Ausflügler kehren dort um. Nach etwa 1 km verläßt der Weg den Kanal, 500 m weiter existiert inmitten des Waldes direkt an der Försterei Kahlenberg die "Sauerei", ein Imbiß, der überwiegend Wildfleischgerichte anbietet.

Ein paar Kilometer weiter beginnt der Ort Niederfinow, der sich auf fast 5 km an der wenig befahrenen Dorfstraße aufreiht.

Luftaufnahme Schiffshebewerk Niederfinow

Am anderen Ende des Dorfes befindet sich das Schiffshebewerk Niederfinow. Am 17. Juni 1914 wurde der Großschifffahrtsweg Berlin - Stettin feierlich eröffnet. Bei Niederfinow wurde dabei der erwähnte Höhenunterschied mit einer Schleusentreppe von vier Schleusen überwunden. Die Reste dieser heute nicht mehr betriebenen Schleusen kann man noch in unmittelbarer Nähe zum Hebewerk besichtigen (in nebenstehendem Luftbild im Vordergrund erkennbar).

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Die Höhe des Hebewerks beträgt 60 Meter, die Länge 94 Meter. Zur überwindung des Höhenunterschieds von 36 Metern benötigt der Trog fünf Minuten.

Die Kapazität der Schleusentreppe war allerdings schnell erschöpft und so wurde zwischen 1927 und 1934 das Schiffshebewerk errichtet und am 21. März 1934 eingeweiht.

Heute ist das Schiffshebewerk für Schubverbände zu kurz, so dass die Einheiten getrennt werden müssen. Es ist heute mit jährlich ca. 11.000 Schiffen an seiner Kapazitätsgrenze angelangt, so dass 1997 der Neubau eines größeren Hebewerkes zwischen dem heutigen und der Schleusentreppe beschlossen wurde. Baubeginn war 2006, die Fertigstellung ist für 2011 geplant. Das alte Hebewerk soll aber noch bis mindestens 2025 in Betrieb bleiben.



Fotos




Weiterführende Links


Literatur
  • Rudolf Schmidt: Der Finowkanal, Mitteilungen des Heimatkundevereins, 11. Jahrgang 1938
  • Rudolf Schmidt: Geschichte der Stadt Eberswalde, Band 1 bis 1740, Eberswalde 1939/Band 2 von 1740 - 1940, Eberswalde 1940
  • Rudolf Schmidt: Geschichte der Stadt Eberswalde, Band 1 bis 1740, Eberswalde 1939/Band 2 von 1740 - 1941, Nachdruck Eberswalde 1994
  • Verein für Heimatkunde zu Eberswalde e. V.: Eberswalder Jahrbuch 2004/2005, ISSN 1616-1882
  • Ilona Rohowski: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland - Denkmale in Brandenburg - Landkreis Barnim - Stadt Eberswalde
  • Hans-Joachim Uhlemann: Berlin und die märkischen Wasserstraßen, Hamburg 1994



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