Womit fettet man den Fahrradsattel?

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SattelpflegeWomit fettet man den Fahrradsattel?
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:Sheldon Brown meint, daß normales Motorenöl gut geeignet ist, die Einfahrzeit eines Sattels stark zu verkürzen: [[Ledersättel#Einen_Ledersattel_einfahren]]. Allerdings verschleißt ein solcherart behandelter Sattel später schneller.
 
:Sheldon Brown meint, daß normales Motorenöl gut geeignet ist, die Einfahrzeit eines Sattels stark zu verkürzen: [[Ledersättel#Einen_Ledersattel_einfahren]]. Allerdings verschleißt ein solcherart behandelter Sattel später schneller.
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:anonyme Meldung: ''Habe mit Möbelöl, lösungsmittelfrei, des Herstellers Borma, gakauft in den Niederlanden, einen alten, rissigen Brooks Sattel nach dem Vorreinigen mit Sattelseife und der Leder-Emulsion von Rapide (niederld. Hersteller von Lederpflege Mitteln) eingepinselt. Die Mischung aus Pflanzenölen plus flüssigen Wachsen hat sehr gute Ergebnisse gebracht. Langzeiterfahrung fehlt aber noch.'' - ich werde es testen.
 
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Möbelöl aus Italien
 
Habe mit Möbelöl, lösungsmittelfrei, des Herstellers Borma, gakauft in den Niederlanden, einen alten, rissigen Brooks Sattel nach dem Vorreinigen mit Sattelseife und der Leder-Emulsion von Rapide (niederld. Hersteller von Lederpflege Mitteln) eingepinselt. Die Mischung aus Pflanzenölen plus flüssigen Wachsen hat sehr gute Ergebnisse gebracht. Langzeiterfahrung fehlt aber noch.
 

Version vom 23. Februar 2018, 12:16 Uhr

Womit fettet man den Fahrradsattel?

über 60 Jahre alter Sattel von Brooks mit deutlichen Gebrauchsspuren; aufgefrischt mit Ballistol und danach Brooks Proofide
billig aber wichtig: ordentliche Lappen zum Polieren
auch nach über 100 jahren noch brauchbarer Fahrradsattel an einem Museumsrad

Eins vorweg: In diesem Abschnitt geht es ausschließlich um Fahrradsattel aus Echtleder. Alle anderen Materialien brauchen keine regelmäßige Pflege bzw. dort wäre eine Pflege überflüssig. Es geht also um Brooks, Lepper & Co. sowie um die fast schon wieder aus der Mode gekommenen Plastesattel mit Lederbezug.

Kernleder

Fahrradsattel werden aus Rinderleder hergestellt. Die korrekte Bezeichnung ist dabei „Kernleder“. Diese Bezeichnung definiert Materialdicken ab 2,5 mm, gute Kernledersattel sind aber meistens doppelt so dick. Dick van de Steeg von Lepper: „Die Leder für die Satteldecke sind 4,8 bis 5,2 Millimeter dick. Es gibt nur zwei bis drei Gerbereien in Europa, die das anbieten können“. Bei preiswerteren Satteln werden auch zwei dünne Lagen verbunden.[1]

Hier werden alle Methoden genannt, die irgendwie sinnvoll in Frage kommen oder bei denen ich vermute, daß jemand auf die Idee kommt, das Mittel zu benutzen.

Jeder putzt Lederschuhe mit Schuhcreme, wenn sie schmutzig oder stumpf werden, wenn sie undicht sind und man nasse Füße bekommt. Aber viele Leute vernachlässigen ihren Fahrradsattel. Selbst wenn man viel Geld für einen Kernledersattel ausgegeben hat, gammelst das gute Teil jahrelang bei Wind und Wetter vor sich hin. Ledersättel überstehen solche Torturen sogar noch länger als ihre Kollegen aus Plaste. Aber nach einigen jahrzehnten ist dann doch jeder Sattel kaputt. Wer seinen Sattel zumindest ein bißchen pflegen möchte, findet hier entsprechende Tips.

Brooks Proofide
Brooks Lederfett Proofide
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Das ist wirklich erste Wahl, Nichts dran auszusetzen. Anfangs riecht es sogar noch frisch nach Orange (?), später läßt das nach. Der frisch gefettete Sattel färbt meist etwas, man sollte dann also nicht die besten Hosen anhaben. Nach dem Trocknen läßt sich der Sattel blankpolieren wie Schuhe, also mit Bürste oder Lappen. Er wird dann schön blank und fast wasserfest. Wie bei allen Pflegemaßnahmen wird der Effekt verstärkt, wenn man anfangs mit einem Sattelbezug fährt und so das Pflegemittel in den Sattel einarbeitet.

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Lederfett, handelsüblich
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Fast so gut wie das von Brooks, dafür ist es wesentlich billiger. Mein subjektiver Eindruck ist, daß es nicht so schnell einzieht und sich der Sattel nicht ganz so blank polieren läßt wie beim Brooks Proofide.

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Schuhchreme
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Doch! Es funktioniert! Es ist nur eine ziemliche Schweinerei, wenn man keine farblose Schuhchreme nimmt. Der Sattel wird sogar wasserfester als beim Brooks Proofide, es hält aber nicht so lange vor.

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Ballistol
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Kann man nehmen, aber nur sehr vorsichtig. Nimmt man zu viel Ballistol, verseift das Leder, es wird schmierig und rutschig und das gibt sich nie mehr so richtig. Gut geeignet ist Ballistol für das Fetten von unten, aber bitte nicht jedes Jahr! Für die Satteldecke bitte nur im Notfall verwenden bzw. nur sehr sparsam.

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Lederpflegetücher
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Diese Tücher funktionieren erstaunlich gut, auch wenn sie nicht gerade billig sind. Besonders effektiv ist es, wenn man nach dem Einreiben des Sattels einen dichten Sattelüberzug benutzt und das Tuch dazwischen läßt. Eigentlich reibt man damit Gürtel, Handtaschen usw. ein, entsprechend gering sind die Mengen an schützendem Material, was eingebracht wird.

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Flüssige Lederpflege
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Diese Flüssigpflege ist gut geeignet, zieht schnell ein und schützt auch etwas gegen Feuchtigkeit, allerdings nicht so gut wie Lederfett. Eigentlich ist das wie die Tücher für "edle" Ledererzeugnisse wie Handtaschen gedacht, diese werden ja dem Regen nicht so extrem ausgesetzt wie manche Fahrräder. Wenn der Sattel nur selten mal naß wird, kann das ausreichen. Diese Pflegelösung fettet nicht nach, man hat keine Spuren auf der Hose, wenn man die Jeans bekleckert. Also erst recht nicht, wenn man auf dem angetrockneten Sattel sitzt.

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Kettenfließfett
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Kettenfett ist nun wirklich nicht dazu gedacht, mit der Hose in Berührung zu kommen. Man wird als Radfahrer eigentlich immer darauf achten, daß genau dies nicht passiert. Aber als Pflegemittel für den sattel ist es trotzdem geeignet. Schließlich hat man am sattel normalerweise nicht den schwarzen Metallabrieb, der den Kettendreck so eklig macht. da Fließfett sehr klebrig und schmierig ist, muß man sehr lange Trockenzeiten einplanen und gut nachpolieren. Aber es funktioniert. In der Praxis wird man das aber wohl doch eher nur für die Unterseite nehmen wollen...

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Butter, Margarine, Speiseöl
Prinzipiell ist die Verwendung von Ölen und Fetten möglich, die wir normalerweise zur Ernährung benutzen. Wie beim Ballistol sollte man allerdings nicht zu verschwenderisch damit umgehen. Technisch gesehen ist das also machbar. Ich rate jedoch trotzdem davon ab, wenn es mehr als nur mal zwischendurch ein ganz klein wenig ist. Diese natürlichen Öle und Fette werden irgendwann "ranzig" und riechen dann entsprechend, im schlimmsten Fall stinkt das ganze Fahrrad. Und es ist ungleich schwieriger und auch teurer, diesen Gestank loszuwerden, als sich einmal ordentliches Sattelfett zu kaufen.

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WD-40
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Es könnte ja sein, daß das jemand nehmen will. Es ist aber keine gute Idee. WD-40 basiert auf Petroleum und das entfettet den Sattel eher als daß es pflegt. Das bißchen Schmierstoff, was der Hersteller im WD-40 versteckt hat, kommt nicht zur Wirkung. WD-40 hat nichts auf dem Fahrradsattel zu suchen.

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Amway Schuhspray
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Als Lack für Schuhe ist das hervorragend und es gibt bisher auch keinen Ersatz dafür, seit es vom Markt genommen wurde. Dem Fahrradsattel hilft es allerdings nur, wenn es sich um ein Museumsrad handelt. Der Sattel glänzt wie eine Speckschwarte und ist auch einigermaßen wasserfest, allerdings ist das wirklich nur oberflächlich. Man reibt diesen Lack sehr schnell wieder herunter, das ist rausgeschmissenens Geld. Für Schuhe ist es aber wirklich gut, wenns nur um die Optik geht.
Imprägnierspray
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Das Zeug macht zwar wasserdicht, es pflegt jedoch nicht. Als alleiniges Mittel ist es ungeeignet, macht auch die Satteldecke rissig. Man kann den gut gefetteten und abgeriebenen Sattel zusätzlich impräglieren, ob das wirklich etwas bringt, wage ich zu bezweifeln. Im direkten Vergleich habe ich jedenfalls keine Unterschiede bemerkt. Dieses Mittel im Bild links wird im Internet vereinzelt als Ersatz für das Schuhspray von Amway genannt, es hat damit aber nichts gemeinsam.
Halböl
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Halböl ist eine Mischung von Terpentinöl und Leinölfirnis, das wird üblicherweise in Tischlereien als prinzipieller Erstanstrich aller Hölzer verwendet. Später hat sich Terpentin und/oder Lalböl auch bei Künstlern verbreitet. Nach dem Trocknen des Halböls entsteht Linoxin, was ähnliche Eigenschaften wie eine glatte Lederoberfläche hat. da dieser Test einige Zeit dauern wird, kommt die Bewertung erst später. Ich halte es für möglich, daß man mit Halböl gealterte und rissige Sättel auffrischen kann.

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flüssiges Bienenwachs
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Das Wachs ist sehr gut für die Sattelpflege geeignet und aufgrund der großen Gebinde auch sehr billig. Außerdem riecht es gut, hält wasser ab und sorgt für einen schönen Glanz. Wird der Sattel dann mehrmals naß, muß man eher als bei Sattelfett nachbehandeln. Das Wachs hinterläßt keine Spuren auf der Hose.

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Motorenöl
Sheldon Brown meint, daß normales Motorenöl gut geeignet ist, die Einfahrzeit eines Sattels stark zu verkürzen: Ledersättel#Einen_Ledersattel_einfahren. Allerdings verschleißt ein solcherart behandelter Sattel später schneller.

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Borma Hartwachs Möbelöl
anonyme Meldung: Habe mit Möbelöl, lösungsmittelfrei, des Herstellers Borma, gakauft in den Niederlanden, einen alten, rissigen Brooks Sattel nach dem Vorreinigen mit Sattelseife und der Leder-Emulsion von Rapide (niederld. Hersteller von Lederpflege Mitteln) eingepinselt. Die Mischung aus Pflanzenölen plus flüssigen Wachsen hat sehr gute Ergebnisse gebracht. Langzeiterfahrung fehlt aber noch. - ich werde es testen.




  1. RADtouren – Das Radreise-Magazin 1/2017, S. 70, kleine Lederkunde