Einspeichen und Zentrieren: Unterschied zwischen den Versionen

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Zur Ermittlung der genauen Speichenlänge fürs Einspeichen könnt ihr den [[Speichenrechner]] benutzen.
 
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Version vom 28. März 2013, 21:24 Uhr

Zur Ermittlung der genauen Speichenlänge fürs Einspeichen könnt ihr den Speichenrechner benutzen.

Laufräder einspeichen und zentrieren
Laufrad Campagnolo Vento

Da komplette Laufräder vergleichsweise billig sind, kommt das Einspeichen eigentlich nur bei hochwertigen Komponenten in Frage. Einspeichen ist eine relativ einfache handwerkliche Arbeit, man muß es nur richtig machen und sich an gewisse Regeln halten. Das Zentrieren ist schon eher eine Kunst, hier hilft nur immer wieder üben.

Die Meinungen über Sicherung der Nippel gehen auseinander. Man trifft die Auffassung, daß es empfehlenswert ist, Nippel mit Schraubensicherung gegen selbstständiges Lockern zu sichern. Ich lege die Nippel vor dem Einspeichen in Öl, so kann man die Speichen schärfer anziehen. Ein selbstständiges Lockern habe ich noch nicht bemerkt.

Radiales Einspeichen sowie besondere Speichenmuster wie auf dem Bild rechts bringen wesentlich weniger Stabilität.

Systemlaufräder werden mit den Argumenten geringerer Masse und besserer Aerodynamik verkauft. In Wirklichkeit soll der Käufer an eine Marke gebunden werden, da die Felgen und/oder Naben und Speichen anderer Produkte nicht kompatibel sind. Die größte Stabilität bringen bei gleichen Bedingungen klassisch gekreuzte Einspeichung, man bekommt auch überall Ersatzteile. Exotische Speichenbilder bedingen auch sehr unterschiedliche Speichenspannungen und Belastungen der Nabe, bei radialer Einspeichung ist die nabe am stärksten belastet. Die Aerodynamischen Vorteile und Massedifferenzen sind allenfalls im Hochleistung bemerkbar.

Je höher der Nabenflansch einer Nabe ist, umso stabiler wird das Laufrad, da die Speichen dadurch kürzer gewählt werden können. Aus diesem Grund werden auf der Bahn gern Hochflanschnaben benutzt, die zwar das Gesamtgewicht erhöhen, aber eine wesentlich größere Steifheit aufweiden. Meist können diese Naben nur noch 2-fach gekreuzt eingespeicht werden.

Einspeichen
Laufrad-einspeichen-04.jpg

Man beginnt stets an einem Nippelloch neben dem Ventil. Hinterräder mit Zahnkranzpaket haben rechts kürzere Speichen, die eine höhere Speichenspannung haben.

Bei Hinterrädern ist außerdem zu berücksichtigen, daß es aufgrund des Antriebs Zugspeichen gibt. Diese werden so eingesetzt, daß der Speichenkopf innen ist. Die Zugspeichen zeigen bei einem normalen Hinterrad nach hinten, wenn eine Scheibenbremse montiert ist, nach vorn, weil die Bremskräfte hÖher sind als die Antriebskräfte. Beim Vorderrad ist dies bei Scheibenbremse ebenfalls zu beachten.

Dies bewirkt ein satteres Anliegen der Speiche auf der Nabenflanke, was Speichenbrüchen vorbeugt.

Sollte die Nabenflanke zu schmal sein, so daß die Speichen darin wackeln, sollte man spezielle Unterlegscheiben benutzen.

Die Nippel werden so weit auf die Speichen gedreht, daß mindestens noch 5 Gänge Gewinde der Speiche zu sehen sind. Dies gilt nur bei exakt korrekter Speichenlänge, die man mit dem Speichenrechner ermitteln kann. Die Speichen können bis maximal 3 mm zu kurz gewählt werden, dann riskiert man aber ein Ausreißen des Gewindes. Sind die Speichen zu lang, riskiert man, daß sie den Schlauch durchstechen. In diesem Fall müssen die Speichen abgefeilt werden. Auch bei zu langen Speichen riskiert man ein Ausreißen des Gewindes.
Speichenbilder: Links: Radialeinspeichung, rechts 3-Kreuz-Einspeichung


die ersten 9 Speichen

Es gibt 3 verschiedene "Öffnungen" am fertigen Laufrad, die größte, rote Öffnung "3" am Ventil soll sicherstellen, daß man Luftpumpe oder Kompressorschlauch bequem positionieren kann.

Deshalb ist die Nabe nach Einfädeln der ersten 9 Speichen so zu drehen, daß diese große Öffnung entsteht.

Die Nabe hängt zu diesem Zeitpunkt noch sehr lose in der Felge, man hat den Eindruck, als wären die Speichen zu lang.

Laufrad-einspeichen-06.jpg

Bei der 10. Speiche wird erstmals hinterzogen, die Kreuzungen 1 und 2 liegen hinter der anders gerichteten Speiche, bei der 3. Kreuzung liegt die Speiche davor. Diese Methode ist beim gesamten Laufrad anzuwenden.

Besonders steife Laufräder erhält man, wenn die Kreuzung "3" mit dünnem Kupferdraht mehrmals umwickelt und danach verlÖtet wird. Diese Methode ist fast nur noch im Bahnradsport anzutreffen.

Laufrad-einspeichen-07.jpg

Hat man die ersten 18 Speichen eingespeicht, kann man bereits grob abschätzen, ob man die richtige Speichenlänge gewählt hat.

Wenn man absehen kann, daß die Speichen geringfügig zu kurz sind, sillten jetzt alle Nippel 2 Umdrehungen zurückgedreht werden.

Laufrad-einspeichen-08.jpg

Diese Stelle ist das Komplizierteste am Einspeichen - und eigentlich ist es ganz einfach.

Mit der 19. Speiche (grün) fluchtet man senkrecht durch ein beliebiges Loch in der Nabe zur gegenüberliegenden Seite. Dort hat diese Speiche 2 potentielle "Partnerspeichen" (rot und blau).

Manchmal fluchtet man genau zwischen 2 Speichen, manchmal ist aber erkennbar, daß eine der Partnerspeichen näher am Fluchtpunkt liegt, in diesem Fall die blaue.

Partnerspeichen haben ihren Kopf auf der gleichen Seite der Nabe.

Laufrad-einspeichen-09.jpg

Ist die 19. Speiche drin, hält man das Laufrad an der Nabe und schüttelt es hin und her. danach sollten die Partnerspeichen blau und grün etwa gleich weit aus der Felge herausgucken.

Wenn eine der beiden fast um Nippellänge aus der Felge ragt, wurde falsch gelotet.


Laufrad-einspeichen-10.jpg

Es empfiehlt sich, erst die Speichen mit Außenkopf einzuziehen, weil sonst das Ganze zur Fummelei ausartet. Der Rest ist nur noch Fleißarbeit. Wenn alle Speichen drin sind, sollte man nochmal kontrollieren, ob sie gleich weit aus der Felge ragen. Ist dies nicht der Fall, müssen alle bis zur 18. Speiche wieder raus.

Beim Einfädeln der Speichen muß man diese etwas verbiegen, das ist nicht kritisch, weil sie ausreichend elastisch sind. Beim Zentrieren werden sie so stark gespannt, daß Verbiegungen verschwinden. Beim Einfädeln sollte man darauf achten, daß das Speichenende nicht die Felge zerkratzt, lieber etwas mehr biegen und den Daumen auf das Ende der Speiche!


Werkzeug
Nippelspanner

Man benötigt einen guten Nippelspanner, die abgebildeten "Spokey" sind für gelegentlichen Gebrauch gut geeignet.

Es gibt den Spokey auch mit doppeltem Metalleinsatz, dieser ist für Werkstatteinsatz ausgelegt.

Ebenfalls empfehlenswert sind die Nippelspanner von Park Tool, sie bieten zudem den Vorteil, daß man sie bequem an einem Karabiner tragen kann.

In der Billigecke angesiedelt sind die (meist runde) Ganzmetallspanner, welche mehrere Speichengrößen in einem Gerät vereinen. Da sie verchromt sind, sind sie zudem sehr ungenau. Von Park Tool gibt es einen dreieckigen sehr guten Ganzmetallspanner, der sich gut für unterwegs eignet.

Zentrierlehre

Außerdem benötigt man eine Zentrierlehre, die es in mehreren Ausführungen gibt. Eine einfache Lehre reicht völlig aus.

Mit etwas Routine und Augenmaß kann eine Zentrierlehre verzichtbar sein, was anfangs - gerade bei Hinterrädern mit Zahnkranzpaket - kaum gegeben ist. Gute Zentrierständer haben Markierungen, die eine Feinzentrierung erlauben (siehe Foto unten).</p>

Zentrierständer

Ein guter Zentrierständer ist Grundvoraussetzung. Es geht zur Not auch mit einer ausgedienten Gabel, das Ergebnis wird aber nie so genau wie mit einem echten Zentrierständer.

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Zentrieren

Es ist illusorisch, zu erwarten, daß Zentrieren beim ersten Versuch gelingt. Deshalb sollte man sich dafür nicht gerade sein bestes Laufrad aussuchen.

Ein ganz wichtiger Grundsatz, den man stets beherzigen sollte: "langsam ist schneller". Man ist versucht, nach einem geglückten Versuch beim zweiten mal alles schneller hinzubekommen, indem man alle Nippel geleich mehrere Umdrehungen anzieht. Im Extremfall kann man sich dabei die Felge ruinieren!

Neuanfertigung

<p>Bei Neumaterial ist es am einfachsten, Speichen sind (zumindest seitenweise) gleich lang, die Felge sollte absolut gerade sein.</p>

Start

<p>Man zieht erstmal alle Nippel so weit, daß noch 2 oder 3 Gewindesteigungen sichtbar sind. In diesem Zustand sollte das Laufrad schon so fest sein, daß man verbogene Speichen nicht mehr als solche erkennt. Das Biegen der Speichen beim Einspeichen ist normal und vÖllig unschädlich.</p> <p>Prophylaktisch sollte man nun testen, ob alle Speichen in etwa die gleiche Spannung aufweisen - wenn nicht, stimmt irgendwas nicht, vielleicht ist eine zu lange oder zu kurze Speiche dabei?</p>

grobes Zentrieren

<p>Ab jetzt sollte man spätestens im Zentrierständer arbeiten und erstmal kontrollieren, ob das Rad einen HÖhenschlag hat, was eigentlich unmÖglich ist. Falls ein HÖhenschlag vorhanden ist, beseitigt man ihn durch vorsichtiges anziehen der rechten und linken Speiche in dem Bereich, in dem die Felge zu dicht an der Lehre ist. alternativ kann man "LÖcher" durch LÖsen beseitigen.</p> <p>Danach werden Speichen rundum gleichmäßig angezogen, sinnvollerweise beginnt man am Ventilloch. Ich empfehle ausdrücklich, die Nippel dabei nicht mehr als eine Viertelumdrehung zu spannen. 2-3 mal rund ums Laufrad sollte genügen. Wenn die ersten Speichen anfangen, zu "singen", sollte man noch hÖchstens die gerade angefangene Runde beenden.</p> <p>Ob das Rad in diesem Moment einen HÖhen- oder Seitenschlag hat, ist unerheblich. Also raus aus dem Zentrierständer und ein erstes Mal malträtieren. Man legt das Rad auf den Boden oder einen stabilen Tisch und drückt es beidseitig relativ brutal nach unten, wiederholt das ganze mehrmals von beiden Seiten. Diese Prozedur simuliert die späteren Belastungen bei Radeln.</p>

Feineinstellung

<p>Wieder im Zentrierständer, kann es sein, daß das Rad deutlich eiert. Nach Kontrolle des HÖhenschlages beseitigt man grobe Seitenschläge durch maximal Viertelumdrehungen der Nippel gegenüber der Seite, die die Zentrierlehre berührt. dabei sieht man die 1 oder 2 Speichen an der Stelle des stärksten Schlags ¼ Umdrehung und die anderen jeweils etwas weniger. Das Rad muß nicht optimal rundlaufen, weil abermals abgedrückt wird.</p> <p>Wenn diese Prozedur mehrere Male wiederholt wurde, singen so ziemlich alle Speichen, dann zentriert man durch Spannen und LÖsen der jeweiligen Bereiche.</p>

Zentriboy

<p>Optimal zentrierte Laufräder sind bis zu 1/10 mm genau, was man aber nur mit sehr hochwertigen Rennradfelgen erreicht.</p> <p>Für derartige Feinsteinstellungen gibt es eine spezielle Meßuhr, Zentriboy genannt. Dieses Meßgerät ist mit 100 Euro aber auch recht teuer. Das Gerät wurde ursprünglich entwickelt, um ein Laufrad im eingebauten Zustand zu zentrieren. Von dieser Methode ist aber abzuraten, weil man nicht einschätzen kann, obman dabei Speichen soweit zieht, daß sie den Schlauch beschädigen kÖnnen.</p> <p>In Verbindung mit einem Zentrierständer (den der Zentriboy eigentlich ersetzen soll), ist eine extrem genaue Einstellung mÖglich, was aber eigentlich nur bei Keramik-beschichteten Felgen funktioniert, weil der Felgenstoß schon allein ungenauer ist.</p>

Achter reparieren

<p>Hier gilt prinzipiell das oben Gesagte. Eine leichte Acht kann man durch vorsichtiges Spannen von 5 bis 7 Speichen beseitigen, hierbei gilt wieder: ganz vorsichtig anfangen!</p> <p>Bei einem HÖhenschlag ist es komplizierter. Wenn man ausschließen kann, daß die Felge wegen zu wenig Reifendruch abgeplattet ist (dann ist sie Schrott), beseitigt man zuerst den HÖhenschlag durch LÖsen und Spannen, danach die eventuell vorhandenen Seitenschläge.</p> <p>Höhenschläge beseitigt man prinzipiell durch gleichgerichtetes Spannen oder LÖsen von Speichen im fraglichen Bereich, Seienschläge durch Lösen und Spannen von Speichen im Bereich des Schlages.</p>