Bei einem Besuch des Schiffshebewerks Niederfinow empfiehlt sich eine kleine Rundfahrt um den Ort, die Tour ist mit 12 km sehr kurz, zeigt aber interessante Aussichten, die beim bloßen Radeln zum Schiffshebewerk nicht entdeckt werden.
Wer sich für Schiffe interessiert, kann sich natürlich auch einen Radwanderweg aussuchen, der dieses Thema abdeckt. Der Elbradwanderweg führt von Hamburg nach Dresden. Die Schiffsliebhaber können hier einen oder zwei Tage in Hamburg anhängen, sich vorher nach Hotels in Hamburg erkundigen und am besten schon eines buchen. So kann man dann vor der Tour ungestört seiner Leidenschaft für die Schifffahrt frönen. In der Hansestadt gibt es zu diesem Thema einiges zu sehen, die Schiffsfreunde kommen hier sicher auf ihre Kosten und radeln dann umso beschwingter in Richtung Osten.
Start und Ziel ist der Bahnhof Niederfinow, von Berlin mit der ODEG direkt zu erreichen. Fahrradmitnahme im Zug ist problemlos. Falls grÖßere Gruppen mit dem Fahrrad reisen mÖchten, kann man auch kurzfristig bei der Bahngesellschaft anrufen, ab 20 Rädern wird dann ein zusätzlicher Waggon bereitgestellt.
Für die Tour braucht man ein einigermaßen geländegängiges Fahrrad, da einige Streckenabschnitte jenseits von Wegen liegen. Nur der erste Streckenabschnitt führt über befestigten Untergrund.
Vom Bahnhof Niederfinow aus gehts Richtung Ort über die Hubbrücke und danach links Richtung Eberswalde auf dem ausgeschilderten Treidelweg.
Nach etwa 2 km, kurz vor der Bushaltestelle an der Stecherschleuse führt der Weg rechts nach oben. Dieser Streckenabschnitt ist Bestandteil des Fernradwanderwegs Tour Brandenburg.
Der Weg ist wenig befahren, führt beständig leicht bergan. Ab Ortsausgang ist der asphaltierte Radweg vom Fahrstreifen für Kraftfahrzeuge getrennt. Nach wenigen Kilometern wird die Landstraße 291 erreicht, kurz vorher biegt der Weg rechts ab und verläuft ca. einen Kilometer rechts parallel zum Oder-Havel-Kanal.
von fern schon zu sehen: das Schiffshebewerk
Wo diese schlechte Straße nach rechts abbiegt, führt ein kleiner Weg links herab zum Ufer des Oder-Havel-Kanal. Direkt auf dem Kanaldamm kann man bis zum Schiffshebewerk Niederfinow fahren, die ersten Meter sind etwas beschwerlich, weil der Weg unbefestigt ist.
Auf dem Kanal ist reger Schiffsbetrieb, vor allem polnische Zugverbände befahren die Wasserstraße.
Kurz vor dem Wassertor endet der Weg an einem Zaun. Diesen Zaun fährt man entlang und kommt so zum Zugang zum Schiffshebewerk. Hier kÖnnen Fahrräder angeschlossen werden, man kann aber auch auf dem Schiffshebewerk herumfahren. Ob dies allerdings erwünscht ist?
Der umlaufende Weg bietet eine sehr schÖne Weitsicht nach Niederfinow, Falkenberg, Bad Freienwalde, die Neuenhagener Insel, Bralitz sowie nach Polen.
Oberbecken des Schiffshebewerkes
Das Schiffshebewerk Niederfinow wurde 1934 in Betrieb genommen und ist damit das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands. Am Nordrand des Eberswalder Urstromtals überwindet das technische Bauwerk einen HÖhenunterschied von 36 Metern.
Das Bauwerk ist ein geschütztes Industriedenkmal und erhielt die von der Bundesingenieurkammer erstmals verliehene Auszeichnung Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland.
Der Aufstieg zum Oberbecken wird über verschiedene Treppen erreicht. Abwärts ist es mit dem Fahrrad etwas schwierig, Fahren ist unmÖglich.
Unten am Ausgang kann man das Drehkreuz nicht benutzen, da kommt kein Fahrrad durch. Also vorher links um die Kasse herum den eigentlichen Eingang wählen ;)
Direkt am Hebewerk entlang führt ein Weg entlang des Unterhafens zur Schleuse Niederfinow, wo der Finowkanal in den Oder-Havel-Kanal mündet.
der Weg auf dem Kanaldeich ist nicht immer als solcher erkennbar
Direkt an der Schleuse geht es rechts lang direkt auf dem Kanaldeich des Finowkanals.
Der erste Finowkanal wurde 1605 bis 1620 erbaut und war die erste künstliche Verbindung zwischen zwei deutschen Stromgebieten (Havel und Oder). Der Kurfürst Joachim Friedrich erteilte 1603 die Order, die Havel bei Liebenwalde über das Flüsschen Finow mit der Oder zu verbinden.
Dieser Kanal ist die älteste künstliche Wasserstraße in Deutschland, die noch in Betrieb ist.
Treideln mit Zugtieren am Finowkanal (ca. 1880-1890)
Infolge des Dreißigjährigen Krieges wurde der Kanal fast vollständig zerstÖrt und die einzelnen Kanalabschnitte verfielen. Der Finowkanal geriet in Vergessenheit.
1743 wurde der Kanal durch Erlass Friedrichs II. wieder erbaut. Er brachte wirtschaftlichen Aufschwung in die Region und ermÖglichte die Ansiedlung metallverarbeitender Industrie im 18. Jahrhundert.
Niederfinow wird wieder erreicht
Mit dem 1914 errichteten Oder-Havel-Kanal verlor der Finowkanal zusehends an Bedeutung. Der modernere Kanal bietet Platz für grÖßere Schiffe, hat wesentlich weniger Schleusen und ist somit wirtschaftlicher. Lediglich einige Betriebe, die direkt am Finowkanal lagen, wurden noch angesteuert. 1972 kam der kommerzielle Schiffsverkehr vÖllig zum Erliegen.
Wieder in Niederfinow angekommen führt ein asphaltierter Weg nach rechts zur Hebewerkstraße, von dort ist es noch etwa 1 Kilometer zurück zum Bahnhof.