Hilfe mein Fahrrad knackt

Aus Fahrradmonteur
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Woran liegt es bloß - die endlose Suche


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Um eins vorwegzunehmen: ominöses Knacken am Fahrrad ist so ziemlich die undankbarste Arbeit in der Fahrradwerkstatt.

Was für den Laien nach einem kleinen Problem klingt, entpuppt sich in der Praxis oft als extrem langwierige Fehlersuche, die nicht selten erfolglos bleibt.

Dementsprechend kann diese Checkliste auch nur einen Versuch darstellen, den Fehler möglichst effektiv und mit geringem Montageaufwand einzukreisen.

Der sicherste Weg, solch einen Fehler zu finden ist gründliches Putzen des Fahrrads. Dabei auch ab und an auf Schutzbleche etc. klopfen und viele potentielle Klapperstellen merkt man sofort. Kaum jemand putzt schon gerne das Fahrrad, das ist aber wirklich eine der sichersten Methoden, nicht nur Klappern oder Knacken zu finden, man findet ebenfalls andere Fehler schnell. Nehmt euch einen Lappen und tastet alles mal ab, ganz nebenbei wird das Fahrrad wieder sauber.

Die potentiellen Fehlerquellen werden in der Reihenfolge der höchsten Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens bzw. des geringsten Montageaufwandes gelistet.

Die scheinbare Ortung eines Knackens sagt nur selten etwas über die wirkliche Lage des Defekts aus.

Das Knacken wird subjektiv sehr oft aus dem Bereich des Tretlagers oder der Pedale empfunden. Trotzdem kann die Ursache sehr wohl am Sattel oder Lenker liegen. Das subjektive Empfinden täuscht uns oft über die wirkliche Ursache.

Man denkt oft, den Fehler lokalisiern zu können, das ist aber schwerer als man denkt. Da man sich beim Fahren ständig auf dem Rad bewegt, belastet man beim Fahren auch Sattel, Lenker und andere Teile, obwohl man subjektiv denkt, die ganze Kraft geht ins Tretlager.

Gerade die Listenpunkte auf der rechten Seite erscheinen auf den ersten Bilck nichts mit Knacken zu tun haben. Es sind keine Scherzeinträge, das ist ernstgemeint.

Lacht nicht über mögliche "Knackpunkte"! Spätestens, wenn ihr selbst ein mysteriöses Knacken sucht, werdet ihr auch an Stellen suchen, die erstmal unsinnig erscheinen.



Inhalt


Pedale


Hier ist der häufigste Grund zu finden. Fehlendes Fett auf dem Pedalgewinde ist ein Zeichen nachlässiger Erstmontage. Mit dem 15er Pedalschlüssel beide abmachen (Links ist Linksgewinde!), ordentlich einfetten und wieder anschrauben.

Als nächste Pedalmaßnahme sollte man testweise Pedale von einem anderen Fahrrad anbauen, welches nicht knackt. Ist der Fehler damit behoben, braucht man in den meisten Fällen neue Pedale, weil fast alle Modelle nicht demontierbar sind - dann fehlt Schmierung im Pedal. Als Notlösung kann man versuchen, Kettenfett in der Nähe des Gewindes einzusprühen und hoffen, daß das weit genug kriecht. Wenn man hier WD-40 oder Ähnliches benutzt, beseitigt das das Knacken nur kurzzeitig, es kehrt verstärkt zurück.



Sattelstütze

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Die Sattelstütze ist schnell ausgebaut. Sie sollte ordentlich gefettet sein, überschüssiges Fett kann man abwischen.

Wenn eine gefederte Sattelstütze "innen" knackt, gibt es kaum ein Mittel, das zu beheben. Bei einer Probefahrt aus dem Sattel gehen - ist es weg, wars die Sattelstütze.

Die ungefettete Sattelstütze ist oft der Grund für ein Knarzen, was man gerne in den Tretlagerbereich verortet. Diesen Punkt also nicht schnell verwerfen, einfach fetten und weiterprobieren.



Sattelklemmung


Selbst die Sattelklemmschraube kann eine Ursache sein. Beim Fetten der Sattelstütze einfach mal rausdrehen und etwas Fett spendieren, gleiches gilt für den Klemmring (soweit vorhanden).

Die Sattelklemmung als Geräuschquelle ist sehr selten, es ist aber wenig aufwendig, sie auch gleich zu fetten.



Tretlager


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Bevor die Kurbeln demontiert werden, bitte in waagerechte Stellung bringen. Nun fasse mit einer Hand die Hinterbaustrebe, mit der anderen die Kurbel an. Beide Hände sollen sich dabei berühren. Versuche jetzt, an der Kurbel zu wackeln. Wenn sich nur die eine Kurbel bewegt, ist sie nicht fest genug auf dem Innenlager. Wenn sich beide bewegen, hat das Innenlager selbst Spiel und muß repariert oder ersetzt werden.

Sehr gerne knacken die Kurbeln auf dem Vierkant. Üblicherweise wird empfohlen, Kurbeln nicht zu fetten sondern stattdessen Kupferpaste auf den Vierkant zu geben. Allerdings sieht die Praxis anders aus, quasi jeder benutzt Fett.

Theoretisch führt dieser dünne Fettfilm potentiell mit der Zeit zum Lockern der Kurbeln. In der Praxis ist das aber eher selten.

Wenn die Kurbeln schonmal ab sind, sollten sie jeweils um 90° gedreht werden.



Innenlager


Sind die Kurbeln ab, kann man das Innenlager bequem mit der Hand prüfen. Es muß seidenweich laufen.

Heute sind nur alte oder extrem teure Innenlager reparabel. Die billigen sind aus minderwertigem Material, falls so eins defekt ist, sollte man gleich eine neue Patrone einbauen. Die billigen von FAG sind weit verbreitet und besser als ihr Ruf. Eine Reparatur eines demontierbaren billigen Lagers lohnt nicht und erfordert viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung.

Die Gretchenfrage, ob das Tretlager knackt/knarzt ist nicht eindeutig zu prüfen - Hurz!. In der Werkstatt wird einfach testweise ein anderes Lager eingebaut. Wenn das Lager wirklich sehr geschmeidig läuft, ist ein Knarren unwahrscheinlich aber nicht unmöglich.



Vorbau / Lenkerbügel

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Behebung ist einfach: Lenkerklemmung und Vorbau lösen, fetten, wieder zusammenbauen, überschüssiges Fett abwischen und erneut probieren, ob das Knarren weg ist.

Der Lenkerbügel ist recht oft die Quelle eines leichten Knarzens, rhythmische Knackgeräusche stammen selten vom Lenker, sind aber ebenfalls möglich. Vor allem, wenn man sportlich auf dem Fahrrad sitzt, also Last auf dem Lenker ist, dann kann die Lenkergegend im Rhytmus der Tretkurbeln knarren.



Kette / Kassette


Eine schlecht vernietete oder gar gerissene Kette macht sich durch rhythmische Geräusche bemerkbar. Dies kann sehr schnell gefährlich sein. Ein steifes Kettenglied kann ähnliche Geräusche erzeugen, die Kette kann dabei auch überspringen.

Faßt die Sicherungsmutter der Zahnkranzkassette ungenügend, ist der Kranz nicht ausreichend fixiert, was zu Knackgeäuschen führen kann. Auslöser kann ein zu geringes Anzugsmoment oder eine zu kurze Mutter sein.



Achsen


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Nabenachsen können ebenfalls Knackgeräusche von sich geben, wenn sie nicht ganz fest angezogen sind. Dabei ist es egal, welche Art der Achsen man verwendet.

Tendenziell werden mit Schnellspanner gesicherte Achsen eher festsitzen, während geschraubte eher mal zu lose sind. Tritt das beim Vorderrad auf, hört man Knacken beim Wiegetritt, während die Hinterachse bei starker Belastung durch Treten Geräusche macht.

Geräusche aus der Vordernabe nimmt man dabei eher auch als "von vorne" wahr, also Laufrad oder Lenker. Beim Hinterrad verortet man das Geräusch jedoch wie vieles Andere gern in Richtung Tretlager.

(Danke an Vitaly R. für den Denkanstoß)



Kettenblattschrauben


Kettenblattschrauben können auch knacken. Hier ist die Abhilfe recht einfach: Man schraubt sie nacheinander ab, fettet ein wenig und setzt sie wieder ein. Diese als Ursache zu identifizieren, ist nahezu unmöglich. Aber es schadet nicht, diese Wartungsaufgabe einfach alle paar Jahre mal zu machen. Beim Fetten nicht nur das Gewinde bestreichen sondern auch den Sitz an den Kettenblättern. Allerdings braucht man hier wirklich nur sehr wenig Fett.



Gepäckträger

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Mit dem Fahrrad bewegt man sich immer (wenn auch wenig) seitlich hin und her. Ist irgendeine Gepäckträgerschraube lose, erzeugt das Geräusche, die nicht immer korrekt in seiner Nähe vermutet werden.

Falls man noch einen Spannbügel hat, dann kann der auf den darunter liegenden Streben herumschaben. Abhilfe schafft hier ein kleines Stück Lenkerband oder Isolierband.

Alle Schrauben am Gepäckträger mit Öl, Ballistol oder Ähnlichem einsprühen (kein WD-40, das macht es schlimmer) und dann nachziehen.



Schutzblech


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geklemmte Schutzbleche klappern auch gern Hier hilft es, die leicht losen Klemmungen mit der Wasserpumpenzange nachzuklemmen.

Ähnliches wie für den Gepäckträger gilt auch für die Schutzbleche. Zusätzlich klappern oder knacken Schutzbleche gern durch Resonanz oder Reifenschleifen. Wie am gesamten Rad hilft hier Putzen aller Teile. Wenn man neben dem Rad sitzt, mit dem Lappen jedes Teil abwischt und dabei beobachtet, ob sich was bewegt, kommt man möglichen Geräuschquellen schnell auf die Schliche.

Schutzbleche mit "altmodischem" Rockschutz bieten reichlich Quellen für irgendwelche Geräusche. Da die meisten Teile nur geklemmt oder gesteckt werden, bewegen sie sich auch und das schafft Geräusche.



Ständer


Ständer, die hinter dem Tretlager angeschraubt sind, lösen sich gern und klappern dann. Man vermutet das nahe Tretlager, vergißt aber gern, den Ständer festzuschrauben. Handfest reicht hier nicht immer, er klappert trotzdem. Immer mit dem Inbus kontrollieren! Zu fest ist aber auch nicht gut, falls der Ständer an den Rahmenrohren verklemmt ist, die kann man plattdrücken.



Schuhe


Beim Fahren knackts, man kann aber nichts am stehenden Fahrrad feststellen? Die Schuhplatten können der Grund sein. Durch Resonanzübertragung vermutet man das Knacken auch in diesem Fall gern mal im Tretlagerbereich.



Speichenlöcher


ausgerissene Nippellöcher: in diesem Fall minderwertiges Material

Haarrisse in den Nippellöchern können Geräusche verursachen, außerdem sind sie eine ernstzunehmende Warnung. Entweder ist die Speichenspannung zu hoch, die Felge zu weich oder es gab irgendeine Art der Überlastung.

Solche Risse sind erste Vorboten schlimmer Defekte, die dann ohne Vorwarnung kommen und oft zu schweren Stürzen führen, da das betreffende Laufrad plötzlich eiert und blockiert. Schon beim Auftreten kleinster Risse sollte die Felge getauscht werden. Als Notbehelf kann man, falls dies die Felgengeometrie zulässt, kleine Unterlegscheiben benutzen. Das wäre jedoch wirklich nur eine zeitweise Notreparatur. Risse in Nippellöchern bedeuten ausnahmslos, daß die Felge Schrott ist.



Körbchen


Sinngemäß gilt hier Gleiches wie für Gepäckträger oder Schutzbleche. Körbe sind oft mit speziellen Korbhaltern befestigt, gegen die erstmal nichts einzuwenden ist. Im Laufe der Zeit verbiegen die Körbe jedoch, sie heben an einigen Stellen vom Gepäckträger ab. Die paar Millimeter führen dann zu einer beliebten Klapperstelle. Mit Kabelbindern ist das aber schnell behoben.



Computer


Nicht der Computer selbst sondern der Magnetgeber! Der naheliegende Fall der Berührung von Geber und Magnet ist es aber auch nicht immer, es kann auch ein nicht abgeschnittener Kabelbinder sein, der den Magneten berührt. Oder ein zu loses Kabel vom Computer, ein lose sitzender Magnet usw.



Gepäck


Etwas weit hergeholt, aber es kann auch am Gepäck liegen. Hängt irgendwas herunter, ist irgendwas lose? Im Zweifel einfach mal ein paar Meter ohne Gepäck fahren...